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Da steht er – ganz allein –
auf seinen Stock gestützt.
Die harte Arbeit und das
unerbittliche Wetter sind
ihm ins Gesicht geschrieben.
Dazu noch sein langer
Rauschebart und sein Hut –
auch wenn er seine Tiere
nicht um sich hätte, jeder
würde ihn sofort als Hirten
erkennen. Es ist eines
der ältesten Gewerbe der
Menschheit, doch die
scheinbare Berufidylle an
der frischen Luft verliert
in unseren Tagen zunehmend
an Reiz.
Das Schäfereigewerbe nimmt
In der Landwirtschaft
Europas eine eher
untergeordnete Rolle ein.
Längst nimmt auch für
Tierhirten das Ringen um
Zuschüsse und Fördermittel
einen immens hohen
Stellenwert ein, so dass
Schaf und Herdenhund ihren
Hirten viel häufiger am PC
und am Telefon sitzen sehen,
als auf Koppel oder Wiese.
Heutige Schafhirten hüten in
der Regel mehr als 600
Vierbeiner und kennen
dennoch jedes von ihnen,
denn jedes ist anders. Oder
um es mit den Worten eines
Schäfers zu sagen: „Das ist
wie bei den Menschen. Jedes
Schaf hat sein eigenes
Gesicht.“
Im Wochenspruch für die
kommende Woche heißt es über
Jesus Christus: „Ich bin der
gute Hirte. Der gute Hirte
lässt sein Leben für die
Schafe. Meine Schafe hören
meine Stimme, und ich kenne
sie, und sie folgen mir; und
ich gebe ihnen das ewige
Leben, und sie werden
nimmermehr umkommen, und
niemand wird sie aus meiner
Hand reißen.“
(Johannesevangelium
10,11,27f.)
Das finde ich ein
gigantisches Bild! Jesus,
der Hirte und wir als seine
Schafe. Auf Orientierung und
Führung angewiesen,
bisweilen hilflos bei der
Nahrungssuche, anfällig für
Angriffe von außen. Der
Hirte steht mit seinem Leben
dafür ein, dass es den
Schafen wohl ergeht. Er
schützt sie und beschützt
sie notfalls sogar mit
seinem Leben. Und jedes
einzelne dieser Schafe ist
dem Hirten bekannt. Was für
ein wunderbares Bild der
Liebe Gottes zu den
Menschen. Der auch die
vorbehaltlos liebt, die ihn
als ihren Hirten (noch)
nicht anerkennen.
Wolfgang Müller
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