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Falls Sie einmal eine Titelseite der Homepage mit Informationen und Gedanken verpasst haben -
kein Problem: Hier sind Sie zum Nachlesen und Nachdenken aufgelistet.

 

Es lebe der Sport! Dieses Jahr wird uns wieder etwas geboten!

Gott baut sein Haus, Stein auf Stein.
Jeder muss neu und lebendig sein.
Gott baut sein Haus, Stein auf Stein,
so baut er erneuerte Menschen ein.
(aus einem Lied von Gerhard Schnitter)
 

Die Kirche im Osten Deutschlands ist eine Kirche der Minderheit. Viele Kirchengebäude sind baufällig, werden aber mit viel Liebe von den Gemeindegliedern gepflegt.

Wichtiger noch als der Zustand der Gebäude, ist aber der Zustand der Gemeinde selbst, die Lebendigkeit der Gemeindeglieder, der Glaube, das Christsein im Alltag, die Vielfalt des Gemeindelebens, das Engagement der Brüdern und Schwestern dort. Und da könnten wir im Westen an manchen Stellen ganz schön ins Staunen kommen und von den Christen „drüben“ lernen.

Wir sollten über alle finanziellen Probleme unserer Kirchengemeinden die Freude am Evangelium nicht verlieren, unseren Glauben immer wieder neu und lebendig halten und unser Gemeindeleben auch mit geringer werdenden finanziellen Mitteln kreativ gestalten.

Letztlich dürfen wir wissen, nicht wir, sondern Gott baut sein Haus, Stein auf Stein. Er hält alles in seinen Händen.

Marco Friedrich
 

Dorfkirche Stuer in Mecklenburg-Vorpommern   

Es lebe der Sport! Dieses Jahr wird uns wieder etwas geboten!

Am 12. August endeten die Olympischen Spiele in London, im Juni fand die Fußballeuropameisterschaft statt und die Tour de France rollte im Juli durch Frankreich - in Kürze wird die 50. Fußball-Bundesligasaison angepfiffen.
In der Bibel wird der Glaube auffallend oft mit Bildern aus dem Sport verglichen. Paulus schreibt an die Christen in der Stadt Philippi: „Ich lasse alles hinter mir und sehe nur noch, was vor mir liegt. Ich halte geradewegs auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu gewinnen.“ (Philipper 3,13f.)

Wie ein Sportler, der zielstrebig auf sein Ziel hinarbeitet, so ist der Glaube ein stetiges Unterwegssein. So wenig man beim Sport vom Wohnzimmersessel aus einen richtigen Eindruck von den Anstrengungen bekommt, so gehört zum Christsein auch die Nachfolge Christi dazu, d.h. Jesus Christus nachzufolgen.

Durch das tägliche Leben und Durchleben des Glaubens gewinnt er in meinem und in unserem Leben an Bedeutung. Es baut sich ein tiefes Vertrauen zu Gott auf, so wie sich durch das Training Muskeln und Ausdauer herausbilden – jedoch auch nicht über Nacht!

Für Paulus ist klar, noch ist er nicht am Ziel seines Glaubens. Aber er setzt alles daran, dieses Ziel zu erreichen. Das hat etwas mit Einstellung zu tun. Glaube an Jesus ist eine Lebenseinstellung. Für uns Christen bewährt sich der Glaube da, wo wir in Bewegung sind und Jesus Christus nachfolgen und seinem Vorbild folgen. Die Motivation ist das Ziel: Niemand zwingt uns, als Christen in Bewegung zu sein.

Genauso wenig, wie ein Sportler sich unfreiwillig zu Höchstleistungen anspornt. Der Grund dafür ist das Ziel, den Siegespreis zu bekommen. Darum das ganze Training, darum alle Entbehrungen, deshalb aller Schweiß und alle Strapazen: Glaube ist ganz oft kein Spaziergang, sondern eher ein Marathonlauf. Aber es lohnt sich, weil wir ein großartiges Ziel vor Augen haben. Ich bin davon überzeugt, dass uns in diesem Wissen nicht so schnell die Puste im Leben und im Glauben ausgehen wird. Dazu helfe uns Gott.

Wolfgang Müller

 

© Albrecht E. Arnold  / pixelio.de   

Ich bin der gute Hirte

Da steht er – ganz allein – auf seinen Stock gestützt. Die harte Arbeit und das unerbittliche Wetter sind ihm ins Gesicht geschrieben. Dazu noch sein langer Rauschebart und sein Hut – auch wenn er seine Tiere nicht um sich hätte, jeder würde ihn sofort als Hirten erkennen.
Es ist eines der ältesten Gewerbe der Menschheit, doch die scheinbare Berufidylle an der frischen Luft verliert in unseren Tagen zunehmend an Reiz.
Das Schäfereigewerbe nimmt In der Landwirtschaft Europas eine eher untergeordnete Rolle ein. Längst nimmt auch für Tierhirten das Ringen um Zuschüsse und Fördermittel einen immens hohen Stellenwert ein, so dass Schaf und Herdenhund ihren Hirten viel häufiger am PC und am Telefon sitzen sehen, als auf Koppel oder Wiese.
Heutige Schafhirten hüten in der Regel mehr als 600 Vierbeiner und kennen dennoch jedes von ihnen, denn jedes ist anders. Oder um es mit den Worten eines Schäfers zu sagen: „Das ist wie bei den Menschen. Jedes Schaf hat sein eigenes Gesicht.“
Im Wochenspruch für die kommende Woche heißt es über Jesus Christus: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“ (Johannesevangelium 10,11,27f.)
Das finde ich ein gigantisches Bild! Jesus, der Hirte und wir als seine Schafe. Auf Orientierung und Führung angewiesen, bisweilen hilflos bei der Nahrungssuche, anfällig für Angriffe von außen. Der Hirte steht mit seinem Leben dafür ein, dass es den Schafen wohl ergeht. Er schützt sie und beschützt sie notfalls sogar mit seinem Leben. Und jedes einzelne dieser Schafe ist dem Hirten bekannt. Was für ein wunderbares Bild der Liebe Gottes zu den Menschen. Der auch die vorbehaltlos liebt, die ihn als ihren Hirten (noch) nicht anerkennen.

Wolfgang Müller

Fürsorge völlig unnötig?

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat in dieser Woche (10.04.12) ein konsequentes Vorgehen gegen aggressive Fahrradfahrer gefordert, um "der Verrohung dieser Kampf-Radler endlich Einhalt zu gebieten". Völlig übertrieben?

Immer wieder treffe ich als Läufer an der Schleuse in Neckarzimmern und in Hochhausen Radfahrer, welche anstatt des wesentlich sichereren Radwegs die Straße benutzen.

Nun liegt es nicht daran, dass der Radweg schlecht ausgeschildert wäre. Vielmehr könnte vielleicht der Umweg von einigen hundert Metern vielen zu weit sein.

Sofern sich die Gelegenheit ergibt, frage ich da auch schon mal freundlich (!) nach. Jedoch zeigte sich leider erneut wieder, dass meine Fürsorge nicht erwünscht ist. In überaus angreifender Weise wurde ich von einem Radfahrer darauf hingewiesen, dass mich das rein gar nichts angeht. Auf meinen Hinweis, ich würde es gut mit Ihm meinen, wurde ich von Ihm beleidigt!

Was meinen Sie, handle ich falsch? Soll doch jeder tun und lassen was er möchte? Er wird es schon noch irgendwann merken, wenn's zu spät ist? Oder soll ich weiter beharrlich sein?

Jürgen Thiel

   Foto: Matthias Balzer / pixelio.de

 

Zeit zum Nachdenken

Die Top-Manager der japanischen Konzerne sind zu beneiden. Jedes Jahr spendiert ihnen die Firmenleitung einen Urlaub in einem buddhistischen Kloster. Mindestens eine Woche sollen die Männer aus den Chefetagen dort ohne Handy, PC oder Fernsehen zur Ruhe kommen: "Kloster auf Zeit".

Zweck der Übung ist aber nicht vordergründig der Abbau von Stress. Ausspannen und Erholen könnten sich die Manager ja auch in ihrem normalen Urlaub. Die Unternehmen haben vielmehr erkannt: Wer immer nur von Termin zu Termin hetzt, der hat keine Zeit über das nachzudenken, was er eigentlich tut. Wie sollen die verantwortlichen Planer erfolgreiche Strategien entwickeln können, wenn sie nur reflexartig auf akute Ereignisse reagieren? Wer sich im Tagesgeschäft verliert, büßt jede Kreativität ein.

In der Abgeschiedenheit eines Klosters kommen die Manager zum Nachdenken. Ohne Zeitdruck lassen sich Gedanken entwickeln, Argumente Pro und Contra durchspielen, neue Konzepte entfalten. Ganz billig sind diese Freizeiten gewiss nicht. Aber die langjährige Erfahrung zeigt: die klösterlichen Auszeiten ihrer Manager zahlen sich für die Unternehmen letztlich aus. Warum machen das nur Betriebe in Japan?

Wäre das nicht auch ein Modell für uns? Man stelle sich vor: unsere Politiker, Wirtschaftsführer und Wissenschaftler hätten mehr Zeit zum Nachdenken. Das käme uns allen zu Gute! Vieles wäre im Alltagsgeschäft dann nicht so kurzatmig, aufgeregt und unausgegoren. Und wer weiß, wie segensreich sich solche schöpferischen Pausen auch in der Kirche auswirkten? Gerade hier werden neue Ideen gebraucht, um die Herausforderungen der Gegenwart zu bestehen. Denkverbote ließen sich hinter Klostermauern eher überwinden als bei Arbeitssitzungen und in Pressekonferenzen.

Schade, dass sich das japanische Modell bei uns noch kaum herumgesprochen hat. Vielleicht erzählen Sie ja Ihrem Chef einmal davon. Man kann ja nie wissen ...

Andreas Britz, Bellheim, Katholische Kirche
 

   © phuetz / Chip Fotowelt / Nonnenfriedhof Kloster Kirchberg

Alle Jahre wieder kommt das Christuskind

Die letzten Tage wurde dieser Weihnachtsschlager immer wieder gesungen. Doch stimmt diese Aussage? Kommt das Christuskind wirklich jedes Jahr aufs Neue? Alle Jahre wieder diesen beschwerlichen Weg von Nazareth nach Bethlehem, diese Geburt im Stall und die Flucht nach Ägypten?

Ich denke nicht! Jesus ist nur einmal als Kind in diese Welt gekommen, hat unter uns gelebt und uns durch seine Art das Reich Gottes vorgelebt und näher gebracht, für uns und unsere Sünden am Kreuz gestorben und hat dem Tod durch seine Auferstehung die Macht genommen. Und er wird einmal wiederkommen, dann aber nicht als Kind in der Krippe, sondern als Richter und Retter der Welt. Alle Jahre wieder erinnern wir uns als Gemeinde Jesu im Advent und zu Weihnachten an beides.

Doch eigentlich müssten wir sagen: Jesus ist gekommen, um zu bleiben. Denn ehe er in den Himmel zurückkehrte, verhieß er den Seinen den Heiligen Geist, den Tröster, der uns in jeder Lage zur Seite steht. Seither gilt für uns alle: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ (Mt 28,20)

Wer das von sich sagen kann, für den ist die Weihnachtsbotschaft vom Kind in der Krippe nicht nur ein Teil der abendländischen Tradition, sondern gelebte Wirklichkeit.

Pfarrer Wolfgang Müller

   Foto; Müller

Lass mich in Ruhe

„Lass mich in Ruhe!" sage ich. - „Wie bitte, was ist jetzt auf einmal los?!" reagiert mein Freund entsetzt. „Lass mich in Ruhe erst einmal Platz nehmen" sage ich, „Lass mich dir in Ruhe ein Glas Wein einschenken. Und dann lass mich dir in Ruhe zuhören und mich mit dir unterhalten."

Wir müssen beide lachen. Mein Freund sagt: „Wie kommst du denn auf so etwas?" - Ich antworte: „Ich versuche aufmerksamer mit mir, mit dir, mit anderen umzugehen - seit ich diese Geschichte gelesen und sie mir zu Herzen genommen habe":

Der Abt eines großen Klosters wurde gefragt, warum er trotz seiner zahlreichen Aufgaben und der vielen damit verbundenen Reisen so ausgeglichen sei. Seine Antwort:

 „Wenn ich sitze, dann sitze ich, wenn ich stehe, dann stehe ich, wenn ich laufe, dann laufe ich, wenn ich bete, dann bete ich, wenn ich esse, dann esse ich, wenn ich arbeite, dann arbeite ich, wenn ich mit einem Menschen spreche, dann spreche ich nur mit ihm."

„Aber genau das tun wir doch auch", sagten seine Gesprächspartner. „Das glaube ich eben nicht", erwiderte der Abt.

„Wenn ihr sitzt, denkt ihr bereits daran aufzustehen, wenn ihr steht, seid ihr schon im Begriff wegzugehen, wenn ihr betet, denkt ihr daran, was ihr noch alles zu erledigen habt, wenn ihr esst, überlegt ihr, wen ihr noch alles anrufen müsst, wenn ihr arbeitet, lasst ihr euch durch alle möglichen Dinge ablenken, wenn ihr mit einem Menschen sprecht, dann seid ihr vielfach in Gedanken ganz woanders." *

Nun, ich bin kein Mönch, der ruhig und gelassen aus Gottes Gegenwart heraus redet. Ich bin ein Mensch mitten im Betrieb des Alltags, der sich um einen aufmerksamen menschlichen Umgang bemüht - mit sich und mit den Mitmenschen. Und da fallen mir immer wieder Kinder auf, die im Sandkasten spielen, alles um sich herum vergessen und sich ganz auf ihre kleine Sandburg konzentrieren. - Ich will mich bemühen.

Michael Broch (Leonberg, Katholische Kirche)

 * Gefunden bei: Petra Altmann, Vom Wert der Werte – Was im Leben wirklich zählt, Präsenz Kunst & Buch 2010, S. 17-18


   © Andreas Hermsdorf / pixelio.de

 

Warum? - Die Frage nach dem Leid

Sicher sind Ihnen der Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt 2002 und der Amoklauf von Winnenden 2009 unvergessen – und nun am 22. Juli diesen Jahres die Schreckenstat von Oslo. Warum mussten 77 Menschen sterben, ja sogar auf grausame Weise hingerichtet werden? Von einem einzelnen Täter?

Den Angehörigen und Freunden der Opfer steht das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Ihre Fassungslosigkeit und Entsetzen ist groß. Und sie haben vor allem eine Frage: „Warum?“ - wie wir ebenso.

Auch wenn eine Antwort die Toten nicht mehr lebendig machen wird - die Suche nach den Gründen ist enorm wichtig: Denn wir wollen verstehen, was unverständlich ist. Wir wollen begreifen, was sich nicht greifen lässt. Wir wollen erklärt bekommen, was nicht zu erklären ist.

In einer Mitteilung des Fernsehsenders N24 ist als Ratschlag für uns „Unbeteiligte“ zu lesen: „Souverän also wäre der Mensch, der sich erschüttern, bewegen, aufrütteln lässt und wachsam bleibt, der aber nicht die Sinnfrage (…) wieder und wieder stellt. Jedes Warum ist hier ein Warum zu viel. Das Böse war und ist und wird sein.“

Das Leid kann also nicht verhindert werden, weil das Böse immer bleiben wird? Wo ist dann Gott? Warum lässt er dies alles zu?

Lesen Sie in unserem  Gemeindebrief "Senfkorn" (November 2011 bis Februar 2012) wie wir diesen Fragen nachgehen und versuchen, Antworten zu finden. Antworten vielleicht, die uns nicht zufrieden stellen, aber die uns nicht ganz fassungslos vor diesem Schrecken stehen lassen.

Jürgen Thiel
 


   © Wikimedia Commons

Mein Navi und ich

Vor kurzem hab ich es getestet. Mein Navi. Weil es immer so höflich ist. Weil es mich immer zuverlässig und pünktlich zu meinen Terminen bringt.
Was macht Charly - so heißt mein Navi- also was er, wenn ich mal komplett ignoriere, was er mir sagt? Wenn ich also scharf nach links abbiege, wenn er sagt: jetzt rechts abbiegen? Wenn ich im Kreisverkehr eine Weile drin rum und an der falschen Stelle rausfahre? Was macht er, wenn ich im Traum nicht dran denke, „jetzt bitte - wenn möglich" zu wenden?
Hört er irgendwann auf mit seinem freundlichen „bitte links, bitte rechts"? Haut es bei ihm die Sicherung raus oder sagt er irgendwann einfach „Sie haben Ihr Ziel erreicht" - was so viel heißt wie: „mach doch deinen Mist alleine!"
Also habe ich Charly getestet und tatsächlich: Er war zwar zeitweilig ein bisschen still weil verwirrt, hat aber immer ganz schnell die Route neu berechnet. Immer das Ziel im Auge. Tolle Maschine.
Nach der Testfahrt mit Charly ist mir klar geworden: Die Menschen, die meinen Lebensweg nachhaltig beeinflusst haben, die waren ein bisschen so wie Charly. Keine Maschinen. Sondern wirkliche Freunde. Die haben meine Sackgassen kommen gesehen. Und sind trotzdem mit mir rein und wieder raus gefahren. Die haben mit einer Engelsgeduld mich meine Runden drehen, meine Fehler haben machen lassen und haben auf mich gewartet. Mit einer geänderten Routenführung bei gleich bleibendem Ziel. Nie haben sie aufgegeben, was sie mir zugetraut haben.
Jesus hat einmal gesagt: Gott ist wie ein Freund. Und du darfst ihn auch so anreden und testen wie einen Freund. Der ist belastbar. Der respektiert deine Wahl von Sackgassen. Der bleibt auch mit dir drin stecken. Und nur wenn du willst, führt er dich wieder raus. Es ist keine Gleichgültigkeit, es ist Liebe, wenn er seine Routenführung für dich ständig neu berechnet.
Nur in einem ist Gott anders als jeder Navi: er gibt selber das Ziel für dich ein. Was das ist? Dass du nach Hause kommst. Zu dir selber, zu denen, die du liebst, zu Gott.

Annette Bassler, Mainz, Evangelische Kirche
 

Religion ein konfliktträchtiges Thema?

Als Smalltalk bezeichnet man gerne die Kunst, sich über Belangloses zu unterhalten. Oft entstehen im beruflichen wie im privaten Alltag Situationen, in denen man Personen trifft, zu denen man keinen sehr engen persönlichen Kontakt hat. Sie wollen oder müssen aber ein Gespräch mit dieser Person führen.

Dazu gibt es viele Empfehlungen, wie man sich in so einer Situation am besten verhält. Die Empfehlungen der selbsternannten Experten beginnen meist damit, dass grundsätzlich nur über Erfreuliches gesprochen werden sollte.

Je weniger sich die Gesprächspartner kennen, um so „oberflächlicher“ und "unverfänglicher" sollte man sich unterhalten. Absolut tabu sind konfliktträchtige Themen wie zum Beispiel Krankheit, Politik, Sex, Religion oder Geld! Religion ist demnach ein konfliktträchtiges Thema?

Demnach niemals erwähnen, dass Sie Christ sind? Ist es im Beruf nachteilig zu sagen, dass Sie an Gott glauben? Wie halten Sie es in solchen Situationen, sind sie dann sogar Petrus, der Jesus verleugnet?

Jürgen Thiel
 

Nicht christlich genug?

P.O.D. ist eine christliche Nu-Metal-Band aus San Diego, Kalifornien (USA). Im Gegensatz zu den typischen Vertretern dieser Musik, sind Sie mit positiv gestimmten, christlichen Texten - vor allem im Jahr 2002 mit dem Top-Ten-Hit Youth of the Nation - sehr erfolgreich und konnten bislang über 10 Millionen CD's verkaufen.

In einem Interview nahm die Band Stellung zu den gängigen Fragen und Vorurteilen, mit denen sie immer wieder konfrontiert werden:

Den Grund ihres Erfolges sehen sie vor allem in den Texten ihrer Songs: „ … in den letzten zehn Jahren hören uns die Leute auch mehr zu, weil die Texte positiv sind. Ehrliche Texte über Liebe und Hoffnung (…) wir heulen nicht herum oder beklagen uns.“

Und weiter ergänzen Sie im Interview: „Wir haben unseren Glauben nie als Marketing-Hilfe benutzt.“ Aber dennoch werden und wurden Sie oft missverstanden - von beiden Seiten: Von Christen, denen sie nicht christlich genug sind, und von denen, für die sie einfach zu christlich sind!

„Wir versuchen gar nicht, besonders religiös zu sein, wir sind einfach, wie wir sind.“ Und weiter ergänzt Sänger Paul „Sonny“ Sandoval: „Wir schreiben Musik für jeden, der sie hören möchte. Wir schreiben, woran wir glauben und was uns hilft - aber das wollen wir den Hörern nicht aufzwängen.“

Jürgen Thiel
 

Entdeckung der Langsamkeit

Dr. Ludwig Burgdörfer - www.kirche-im-swr.de (jt) Heute läuft wieder Einiges. Bei Ihnen bestimmt auch. Wir haben allerhand vor an diesem Montag. Das kann wieder ein echter Marathon werden. Bis alles erledigt ist, sind wir es dann auch.
Apropos Marathon: Da hab ich doch nicht schlecht gestaunt, als nach dem Gutenberg Marathon vor ein paar Wochen in Mainz ein erfolgreicher Läufer interviewt wurde. Und auf die Frage, wie man denn so einen Marathonlauf durchhält, hat er gesagt: "Man muss die richtige Langsamkeit finden."
Ich dachte, ich hör nicht recht. Nicht so schnell wie möglich, hat er gesagt, sondern wohl dosiert, so langsam also, dass man nicht zu schnell alle Kräfte verbraucht hat und dann nicht mehr weiterlaufen kann. Langsam genug muss man einen Marathon laufen. Wenn das mal kein Motto ist für diesen Montag.
Nicht aus der Tür stürzen, davonrasen und alles auf einmal erledigen wollen, sondern Schritt für Schritt abmarschieren, was zu tun ist. Und das gilt dann wohl auch für den gesamten Lebenslauf. Der ist ja nun erst recht mit dem Marathon zu vergleichen. Mit seinen Durststrecken und allem Kampf und Krampf zwischendurch. Wo man am liebsten aufgeben und aussteigen möchte. Was für eine Kondition brauchen wir da. Was für einen langen Atem. Und wie viel Seitenstechen und weiche Knie gibt es dabei.
Ich weiß nicht, ob Jesus jemals Marathon gelaufen ist, aber weit gegangen ist er schon. Und er hat für seine Leute einen Trainingsplan, eine Konditionsübung, eine Durchhalteparole bereit. Und die scheint mir ziemlich viel versprechend zu sein. Er sagt nämlich, Sorgt Euch nicht um den morgigen Tag. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat." Also nicht die ganze Woche auf einmal anstarren, was da alles auf uns zukommt, nicht fasziniert und abgeschreckt zugleich alle Aufgaben starren, sondern bei dem sein, was jetzt dran ist. Morgen ist auch noch ein Tag. Sorgen ja, aber nicht um alles auf einmal. Gott allein hat die ganze Strecke im Blick, Er kennt den Weg und das Ziel - darauf sollen wir vertrauen und dann den Montag begrüßen: Sorgsam aber nicht ängstlich, bemüht, aber nicht leidend, laufend bei der Sache, aber nicht auf der Flucht. Und so wünsche ich Ihrem Marathon für heute einen guten Verlauf.
 

Von der Schiefertafel zum Laptop

Dr. Ludwig Burgdörfer - www.kirche-im-swr.de (jt) Manchmal komme ich mir vor wie ein Analphabet. Wenn die Computerfreaks zusammenstehen und sich unterhalten. Das hört sich wie eine Geheimsprache an, die nur Eingeweihte entschlüsseln können. Und mich haben sie nicht eingeweiht. Dauernd kommen sie mit neuen Wörtern, die ich nicht kenne.
Ja die Welt erfindet ständig neue Sprachen, neue Begriffe, die kein Mensch begreift. Und wenn ich bedenke, dass ich im letzten Jahrhundert noch auf der Schiefertafel schreiben gelernt habe und heute mit Laptop umgehen kann, einigermaßen jedenfalls, dann ist das doch schon eine große Leistung. Oder?
Gut, ich habe auch faxen und dann später mailen gelernt, ich weiß was eine Homepage und eine Website ist, ich kann Abspeichern und Downloaden und ich gehe ins Internet, Soft- und Hardware machen mir keine Angst mehr, ich schätze meinen Rechner und was der alles auf der Festplatte hat ... aber Twitter und Facebock überfordern mich, Skypen kann ich nicht, nur Googeln, das schon. Was ist eigentlich mit Powerpoint gemeint? Wer erklärt mir die Welt?
Wenn mich jemand mit meinem erst knapp 10 Jahre alten Handy telefonieren sieht, dann kann es passieren, dass ich ein Autogramm geben muss, weil wir beide so dermaßen museumsreif sind, dass es schon wieder eine Attraktion zu sein scheint. Wenn heute mein Großvater noch einmal auf die Welt käme, er würde vermuten, er sei auf einem falschen Planten gelandet, so außerirdisch käme ihm das alles vor.
Und doch ist es noch nie anders gewesen. Immer schon und unaufhörlich haben die Leute neue Dinge begriffen und auf den Begriff gebracht, erfunden und erdacht. Und genau so ist es auch von Gott gewollt. Schon ganz am Anfang, als er das Ganze installiert hat, gab er den Menschen den klaren Auftrag, alles zu erkennen und zu benennen. Und so ist es dabei geblieben. Wir finden und erfinden ständig etwas neu.
Daran kann man sehen, wie viel uns Gott von seinem Erfindergeist geschenkt hat. Wir dürfen mitmischen bei seiner Erschaffung der Welt. Wir sind schöpferisch, bis zur Erschöpfung. Göttlich ist das, wunderbar, wenn wir nur nicht vergessen, wer uns das ganze Betriebssystem gegeben hat, dass Gott uns ein sicheres Backup ist, damit wir nicht hoffnungslos abstürzen. Haben Sie das jetzt abgespeichert?
 

Pfingsten

Andreas Föhl - www.kirche-im-swr.de (jt) Das dritte große christliche Fest nach Weihnachten und Ostern. Aber anders als Weihnachten und Ostern bleibt Pfingsten merkwürdig blass. Es fehlt das Bild im Kopf. Bei Weihnachten denke ich sofort an das Kind in der Krippe – Jesus, Gottes Sohn, wird geboren. Bei Ostern denke ich an Jesus wie er am Kreuz stirbt und an das leere Grab am Ostermorgen. Aber Pfingsten?
Und doch würden Christen weder Weihnachten noch Ostern feiern, wenn es Pfingsten nicht gäbe. Dann wäre das, was in der Krippe und am Kreuz geschehen ist, längst in Vergessenheit geraten. Wir Christen glauben: An Pfingsten hat Gott seinen Heiligen Geist in die Welt gesandt, den kann man zwar nicht sehen und deshalb bleiben auch die Bilder aus. Aber er bewirkt eine ganze Menge.
Die Bibel erzählt davon folgendermaßen: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen“, hatte Jesus seinen Anhängern, seinen Jüngern, zum Abschied gesagt, bevor er in die unsichtbare Welt Gottes zurückkehrte (Apostelgeschichte 1,8). Zehn Tage später war es dann soweit. Die Jünger und Jüngerinnen Jesu waren gerade alle beieinander, als der Heilige Geist kam. Lukas beschreibt das in seiner Apostelgeschichte so: Es kam plötzlich ein lautes Brausen und ein heftiger Wind und kleine Feuerflammen setzten sich den Frauen und Männern auf den Kopf. Das klingt ziemlich seltsam, aber das ist auch gar nicht die Hauptsache. Was der Heilige Geist macht, kommt dann: Vorher nämlich trafen sich die Jünger und Jüngerinnen für sich alleine und beteten miteinander. Sie blieben für sich. Aber plötzlich, im wahrsten Sinne des Wortes be-geistert, haben sie angefangen von Jesus Christus weiterzuerzählen, und zwar auf der Stelle. Sie gingen aus dem Haus und fingen damit an auf den Straßen von Jerusalem.
Besonders Petrus. Er war eigentlich Fischer und kein Redner, aber er hielt eine ziemlich lange Ansprache. Er konnte gar nicht anders, als das weiter zu erzählen, was er mit Jesus erlebt hatte. Die Menschen hörten Petrus zu und waren sehr beeindruckt. Lukas schreibt: Als sie hörten, was Petrus sagte „ging’s ihnen durchs Herz“ (Apostelgeschichte 3,37). Über 3000 Menschen haben an diesem Tag angefangen, an Jesus zu glauben. Seither hat sich der Glaube an Jesus Christus über die ganze Welt verbreitet. Und wir feiern Weihnachten, Ostern - und eben auch Pfingsten.

Das ist die Kraft des Heiligen Geistes. Er macht beides: Er bringt Menschen dazu, von Jesu Christus weiter zu erzählen. Und: er sorgt dafür, dass das diese Botschaft nicht zum einen Ohr rein und zum anderen Ohr rausgeht. Durch Gottes Heiligen Geist erreicht sie auch das Herz - seit beinahe 2000 Jahren.
 

Pfingstdarstellung im Ingeborg-Psalter (um 1200)

Christi Himmelfahrt

www.ekd.de (jt) Seit dem vierten Jahrhundert feiern Christen 40 Tage nach Ostern das Fest "Christi Himmelfahrt". Biblische Grundlage ist neben dem Markus- und Lukas-Evangelium das erste Kapitel der Apostelgeschichte im Neuen Testament. Dort steht, dass der Auferstandene vor den Augen seiner Jünger "aufgehoben" wurde: "Eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken" (Apostelgeschichte 1,9). Dies ist auch ein bevorzugtes Motiv in der bildenden Kunst.

Himmelfahrt wird allerdings in der Theologie kaum noch wörtlich als wirkliche Reise verstanden. Der Himmel ist danach kein geographischer Ort, sondern der Herrschaftsbereich Gottes. Wenn es im Glaubensbekenntnis heißt "...aufgefahren in den Himmel", bedeutet dies nach christlichem Verständnis, dass der auferstandene Christus "bei Gott ist".

Himmelfahrt wird so auch als Symbol der Wandlung und spirituellen Entwicklung der Persönlichkeit gedeutet. Theologen verweisen zur Erläuterung des Sachverhalts auf den englischen Sprachraum, wo es für das deutsche Wort Himmel zwei Begriffe gibt: "sky" (profan) und "heaven" (religiös).

Eine der ältesten Darstellungen der Himmelfahrt als Elfenbein-Relief, Mailand oder Rom um 400 (so genannte „Reidersche Tafel“, Bayerisches Nationalmuseum München)
 

Highway to Hell

(jt) Neulich im Auto auf dem Weg nach Hause. Im Radio läuft leichte Musik. Die Musik endet und es folgt ein Sprachbeitrag: Worte in SWR3 - Denkanstöße für den Alltag. Und was höre ich da? "Highway to Hell" - Autobahn in die Hölle! Läuft der falsche Beitrag? Ich drehe die Lautstärke hoch und höre gespannt der Pastoralreferentin Johanna Vering zu. Oft genug habe ich bei diesem Lied schon mitgesungen - und danach verunsichert überlegt, was ich da wohl von mir gegeben habe. Aber ist meine Befürchtung berechtigt? Johanna Vering interpretiert dieses Lied der Rockband AC/DC auf eine ganz andere Art und Weise.  Lesen Sie selbst ...

„Highway to hell..." von AC/DC. Auf jeder Party das Lied. War die Tanzfläche vorher leer, spätestens bei diesem Klassiker füllt sie sich wieder.
Der Text erzählt von einem Lebensgefühl, nach dem sich manch einer sehnt. Dem Alltag den Rücken kehren, frei leben ohne Rücksicht auf Verluste, einfach das tun, was ich will. Das Leben: eine Party und zwar nur mit den Leuten, die ich wirklich bei mir haben will. Im Lied heißt es: „Hey Mama, schau mich an, ich bin auf dem Weg in das gelobte Land." Aha, das gelobte Land als Ziel der Reise. Da sind wir plötzlich bei einem religiösen Begriff. Was ist denn das gelobte Land, und wo ist es? In der Bibel wird dem Volk Israel das gelobte Land versprochen. Die Israeliten haben über Generationen in Ägypten fern ihrer Heimat gelebt. Und dort haben sie sehr unter den harten Lebensbedingungen gelitten. Mose führte das Volk 40Jahre lang durch die Wüste zurück in das gelobte Land Israel. Das gelobte Land hat aber noch eine andere Bedeutung. Nicht ein Stück Land, sondern ein Zustand: so wie Jesus lebt und mit Menschen umgeht, kann man erkennen, was er unter dem gelobten Land versteht. Ein Leben ohne Ungerechtigkeiten. Jesus nennt es das Reich Gottes. Das gelobte Land hat also unterschiedliche Bedeutungen. Für AC/DC ist es die Hölle. Ein Ort, an dem ich nur um mich selbst kreise. Für mich ist es ein Ort, an dem ich so sein kann wie ich bin. An dem mich Menschen, die ich liebe, annehmen. Für mich ist das Reich Gottes da, wo ich nicht alleine bin, sondern andere Menschen mit mir sind. Ich bin fest davon überzeugt, dass dort auch Gott mit mir ist. Und das kann hin und wieder auch auf der Tanzfläche sein bei einem alten Klassiker von AC/DC.


Johanna Vering, Buchen (Odenwald),
 Pastoralreferentin

 


  © Katy Schnee 

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

www.ekiba.de (jt) Mit diesem Osterruf beginnen die Gottesdienste am Ostersonntag. Und das ist auch die Botschaft dieses Festes: Jesus ist auferstanden! Er ist nicht im Tod geblieben, das Grab ist leer und in den nächsten Tagen wird der Auferstandene verschiedenen Menschen begegnen: den Frauen am Grab, den trauernden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus, dem zweifelnden Thomas ... Sie alle bezeugen, dass Jesus wirklich, dass er wahrhaftig auferstanden ist.

Jesu Auferstehung ist der Grund des christlichen Glaubens. Wäre er nicht auferstanden, dann gäbe es keinen Grund zu glauben. Dann wäre sein Tod das Ende eines großen und einmaligen Menschen gewesen. Seine Auferstehung macht ihn einmal mehr zu Gottes Sohn und zeigt, dass durch ihn das Leben und der Glaube an Gott, wie Jesus ihn verkündigt und gelebt hat, eine Hoffnung über den Tod hinaus bringt.

Paulus bringt das in seinem 1. Brief an die Korinther auf den Punkt: "Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich." ... "Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden." ... "Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind." (1. Korinther 15, 14,17+20)
 


Unbekannter flämischer Meister: Auferstehung
Um 1400; Museum Mayer van den Bergh, Antwerpen

„Wo warst du, Gott?“

Gebetstext der EKD für den Sonntag Reminiszere (20.3.11) vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Du Gott des Lebens, in unserem Erschrecken und mit unseren Sorgen wenden wir uns zu dir. Bilder der Todesflut und der Zerstörung gehen uns nach, Ängste vor einer atomaren Verseuchung treiben uns um. Wo warst Du, Gott, als das Chaos in Deine gute Schöpfung einbrach?

Du Gott des Lebens, wir bitten dich für alle vom Unglück betroffenen Menschen, denen der Boden unter den Füßen wegbrach, die mit knapper Not davonkamen, deren Zukunft ungewiss ist. Wir bitten dich für die, die ihrer Heimat beraubt wurden, die verzweifelt nach ihren Familien und ihren Freunden suchen, die um ihre Lieben trauern. Gib ihnen Kraft für die naheliegenden Aufgaben, und lass sie an ihrem Schicksal nicht verzagen.

Du Gott des Lebens, wir kommen heute zu dir mit unserer Sorge angesichts zerstörter Atomreaktoren. Wir bitten für alle, die zu retten und zu helfen versuchen: Schenke ihnen Geistesgegenwart und Kraft. Stehe den Verantwortlichen bei, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen und die Risiken recht einschätzen. Hilf, dass die Gefährdeten Schutz finden und dass die tödliche Strahlung eingedämmt werden kann.

Du Gott des Lebens, dir vertrauen wir uns an. Du hast das Leben erschaffen und den Tod besiegt. Auf dich hoffen wir in unserer Sorge und unserer Angst.
Erhöre unser Rufen und nimm unser Bitten barmherzig an.

EKD-Themenseite zur Katastrophe in Japan
 


  © www.reuters.com

Ich war´s!

„7 Wochen Ohne“, die Fastenaktion der evangelischen Kirche, ermuntert: Schluss mit den faulen Ausreden
Rund zwei Millionen Menschen nehmen jedes Jahr an der Fastenaktion der evangelischen Kirche „7 Wochen Ohne“ teil. 2011 steht die Aktion, die vom 9. März bis zum 24. April läuft, unter dem Motto: Ich war´s! Sieben Wochen ohne Ausreden“. Der Auftaktgottesdienst findet in diesem Jahr am Sonntag, dem 13. März, in der Christuskirche, Hamburg-Eimsbüttel, statt und wird ab 9.30 Uhr live im ZDF übertragen. Die Predigt hält Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
Das diesjährige Motto thematisiert allzu Vertrautes: Alle reden von Verantwortung, die jemand übernehmen soll. Gemeint sind meistens die anderen. Wenn einem selbst etwas misslingt, ist das Wetter schuld oder die Technik oder einfach die Verhältnisse. „7 Wochen Ohne“ ermuntert: Schluss mit faulen Ausreden. Wer sich traut, „Mein Fehler“ zu sagen und um Entschuldigung zu bitten, ist stark. Auch wenn man zunächst Kritik auszuhalten hat, am Ende erntet man Respekt. Und: Ehrlichkeit sorgt dafür, dass man glaubwürdig bleibt. Allerdings bedarf es für ein Klima der Ehrlichkeit auch einer veränderten Fehlerkultur. Wer eine Schwäche offenlegt, muss auf Gnade bauen können. Für Christen eigentlich selbstverständlich… „Gerade in der Fasten- und Passionszeit eignet sich diese Perspektive hervorragend, das eigene Tun und Lassen zu reflektieren und gegebenenfalls zu korrigieren“, meint Arnd Brummer, Chefredakteur des evangelischen Magazins chrismon und Geschäftsführer von „7 Wochen Ohne“.

Pressemitteilung "Sieben Wochen Ohne" 2011
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7 Wochen Ohne
 


 

Mögen Sie Liebesfilme?

„Notting Hill“ und andere Streifen rühren unser Herz und unsere Phantasie an. Sie wecken starke Gefühle, lassen unsere Gedanken schweifen und uns für einige Zeit aus dem Alltag entfliehen. Romanzen bilden oft eine angenehmere Folie auf unsere eigene allzu normale Realität.
Je nachdem welche Erfahrungen unser Leben prägten, besteht natürlich die Gefahr, dass wir uns lieber mit dem Schein, als mit dem wirklichen Leben abgeben wollen und dadurch den Blick auf die Alltäglichkeit unserer Beziehungen verlieren.
Denn unsere Beziehungen zu den Kindern, zum Partner und zu den Eltern wollen nicht „erschmachtet“, sondern gelebt werden. Unsere zwischenmenschlichen Beziehungen leben vom Miteinander.
Mit dem Glauben ist es bisweilen recht ähnlich. Dies scheint sich in unseren Gottesdiensten abzuzeichnen. Wer es gewohnt ist, die Gottesdienste mit ihrer Liturgie und ihren Liedern mitzufeiern, findet viel leichter einen Zugang, als jemand, der eher selten hingeht, dafür mit umso höheren Erwartungen. Glaube und religiöse Gefühle lassen sich nicht künstlich erzeugen. Und schon gar nicht auf Knopfdruck!
Die Bibel stellt das Miteinander zwischen Gott und den Menschen immer wieder im Bild einer Liebesbeziehung dar. Gott hat uns mit der Bibel einen Liebesbrief voller tiefer Gefühle und Zuneigung zu uns Menschen geschrieben. Jesus ist in die Welt gekommen, um uns Gottes Liebe vorzuleben und zu zeigen. Er wollte nicht, dass wir sein Leben als das eines Gutmenschen idealisieren.
Gott wirbt um uns Menschen und wartet auf eine Antwort, eine Reaktion und sei es im Vertrauen darauf, dass er uns trägt. Glauben will gelebt werden und zwar jeden Tag. Ihr Partner ahnt vielleicht, dass sie ihn lieben, aber wann haben sie das das letzte Mal zum Ausdruck gebracht?
Ein Liebesbrief will gelesen werden, gerne auch regelmäßig und wiederholt. So wie unsere partnerschaftlichen Beziehungen der Pflege bedürfen, so stärkt es unseren Glauben, wenn wir, sofern es uns gesundheitlich möglich ist, gemeinsam in einer Kirche Gottesdienst feiern, singen und beten.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Segen, Freude und inneren Gewinn beim Mitfeiern der Gottesdienste in der Region! Und nicht nur am Valentinstag ein von Zuneigung geprägtes Miteinander mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin.

Pfarrer Wolfgang Müller
 


 

Jahreslosung 2011:
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
(Röm 12,21)

Wenn uns jemand beleidigt oder derjenige nicht tut, was wir von ihm wollen, was geschieht? Man sagt: „Tja, wenn du nicht machst, was ich will, dann mach ich auch nicht, was du willst!“ Das leitende Motto ist also: „Wie du mir, so ich dir.“ Das hören wir nur allzu oft, sowohl von uns, als auch von anderen. Wir wollen Gerechtigkeit für uns selbst, indem wir unseren Mitmenschen „eins auswischen“.

Paulus war da ganz anderer Ansicht: Genau das sollen wir eben nicht tun! Er will, dass wir uns einander verzeihen, damit wir eine bessere Welt schaffen können, damit wir Gemeinschaft bilden und leben können! Wir dürfen nicht nachtragend sein! Natürlich heißt das nicht, dass wir sofort zu allem Ja und Amen sagen sollen, denn manchmal sind wir einfach so sauer, dass es nicht auf Anhieb verfliegt.

Vielleicht kann ich mir das für das nächste Jahr zum Vorsatz nehmen. Meistens ist es ja doch so, dass ich mir zu viele Gedanken und Sorgen über eine Auseinandersetzung oder einen Streit mache. Das kann ganz schön anstrengend sein, so kraftraubend, sowohl für den Körper, als auch für die Seele. Wie einfach könnte ich das lösen, wenn ich sage: „Ich verzeihe dir“ oder „Es tut mir leid“. Ich will versuchen, meinen inneren Schweinehund und meinen Stolz zu überwinden. So geht es mir schneller wieder gut, oder?

Sandra Stadler
 


 

Alle Jahre wieder

Was feiern wir an Weihnachten? lautete die Frage in einem Religionstest. Die Antwort eines Schülers: Die Auferstehung von Jesus. Knapp daneben ist auch vorbei.

Doch was treibt uns in diesen Tagen wirklich um? In allen Geschäften, auf den Straßen, Bahnhöfen und Flughäfen herrscht eine eilige Betriebsamkeit. Aus der Heiligen Nacht ist für viele eine „eilige Nacht“ geworden, da sie die Bescherung in Etappen bei allen Familienmitgliedern vollziehen.

Und überhaupt: Fragt man jung und alt, so stehen die Geschenke an erster Stelle. Die Socken, das Parfüm, der Schmuck und alles andere sind aber nur eine symbolische Geste für das, was an Weihnachten geschehen ist. Gott wird Mensch. In Jesus ist er einer von uns geworden.

Den meisten Menschen in unserem Land ist dies leider nicht bewusst. Das Symbol ist an die Stelle des Eigentlichen getreten. Mit unseren Geschenken verdecken wir das Wesentliche: den Stall mit dem Jesuskind, das Wunder der Menschwerdung Gottes. Gott kam in diese Welt. Gott kam zu uns, um uns zu erretten aus unseren Zwängen, Verletzungen, unserer Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit.

„Christus der Retter ist da!“

Pfarrer Wolfgang Müller
 


 

"Der Herr der Ringe" – ein christliches Buch?!

Die Adventszeit ist die Zeit der Ruhe und Besinnung und wenn Sie vielleicht ein Buch lesen wollen, wie wäre es dann mit „Der Herr der Ringe“, eines der weltweit meistverkauften Bücher nach der Bibel?

Die meisten werden darin wohl kaum eine christliche Botschaft vermuten, doch es lohnt ein genauer Blick. Der Autor J.R.R. Tolkien schreibt in einem Brief an einen Freund: „Der Herr der Ringe ist natürlich ein von Grund auf religiöses … Werk; zuerst unbewusst, aber bewusst im Rückblick."

Christliches Handeln ist in Tolkiens Buch nicht etwas künstlich Aufgesetztes oder Bevormundendes, sondern ist in der Tiefe der Geschichte eingebettet. Gott ist im Herrn der Ringe stets anwesend, jedoch überlässt Tolkien es dem Leser, dies zu entdecken: So zeigen die Hauptdarsteller einen kompromisslosen Umgang mit dem Bösen, uneigennützige Opferbereitschaft zum Wohl anderer und Standhaftigkeit gegenüber den Versuchungen des Bösen - das sind urchristliche Tugenden! Nun wird der Kampf Gut gegen Böse im Roman kriegerisch ausgefochten, im echten Leben ist dieser zweifelsohne weniger aufsehenerregend und heldenhaft. Aber genau wie wir zweifeln die Hauptdarsteller mitunter, ob sie auf dem richtigen Weg sind. Jedoch bestätigt sich im Verlauf des Romans deren tiefes Gottvertrauen, dass trotz der doch so ausweglos erscheinenden Situation - wegen der Übermacht des Bösen - am Ende das Gute doch um so viel stärker ist!

Jürgen Thiel
 


   © cheelz / pixelio.de

"Wunderbare und erstaunliche“ Adventszeit

Kleine Kinder haben gegenüber uns Erwachsenen einen entscheidenden Vorteil: sie haben das Staunen noch nicht verlernt. Eine brennende Kerze auf dem Adventskranz fasziniert und fesselt sie, den Fischen im Aquarium schauen sie stundenlang mit großen Augen zu, Schneeflocken im Winter versetzen sie in Begeisterung und der Weihnachtsgeschichte vom Jesus-Kind in der Krippe hören sie sprachlos und gebannt zu. Kommen wir Erwachsene auch noch ins Staunen!? Lassen wir uns fesseln und begeistern wie kleine Kinder? Vielleicht. Manchmal?!
In einem ganz alten Adventslied aus unserem Evangelischen Gesangbuch heißt es in der ersten Strophe in einer für uns heute etwas sperrigen Sprache: „Nun komm, der Heiden Heiland, der Jungfrauen Kind erkannt, dass sich wunder alle Welt, Gott solch Geburt ihm bestellt.“ - „…dass sich wunder alle Welt…“ - Wundern, staunen darüber, dass Jesus Christus, unser Heiland, als kleines Kind in diese Welt gekommen ist, an Weihnachten im Stall von Bethlehem!? Fasziniert und begeistert annehmen, dass Gott selbst uns in diesem Kind ganz nahe gekommen ist, auch heute noch nahe kommen will. Sprachlos und mit großen Augen entdecken, dass mit dieser Geburt unsere Rettung, unser Heil, verbunden ist.
Es wäre doch schön, wenn wir uns von dieser Botschaft in der Adventszeit, der Vorbereitungszeit auf das Weihnachfest, wieder ganz neu fesseln und ins Staunen bringen lassen.
Eine in diesem Sinne „wunderbare und erstaunliche“ Adventszeit wünscht Ihnen

Marco Friedrich
 

Zeit für einen Neuanfang?

„Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium.“ (Markus 1,15) So lautet der Kern der frohen Botschaft, die Jesus den Menschen damals verkündigte. Das wollte er den Leuten vermitteln, mit seinen Worten und mit seinen Taten. Doch was soll das eigentlich heißen, Buße zu tun? Wie soll man das denn machen? Bei dem Wort Buße kommen einem ja zunächst nicht besonders angenehme Gedanken in den Sinn. Dass man für eine Schandtat büßen muss etwa, oder das Bußgeld, dass man aufgebrummt bekommt, wenn man zu schnell gefahren ist oder wenn man nur mal kurz falsch geparkt hat. So hat Jesus das aber nicht gemeint!
Das griechische Wort, das hier im Grundtext steht, lautet „metanoia“ und bedeutet so viel wie „umdenken“, und zwar nicht nur mit dem Verstand, sondern mit der ganzen Existenz. Jesus wollte die Leute also dazu bringen, über ihr Leben nachzudenken. Sie sollten sich fragen, ob sie eigentlich noch auf dem richtigen Weg sind, oder ob sie sich vielleicht schon längst in den Zwängen des Alltags verzettelt haben und so nun orientierungslos dahinvegetieren.
Wie sieht es bei Ihnen aus? Wäre es sinnvoll, mal wieder über das Ziel Ihres Lebens nachzudenken? Wäre vielleicht auch bei Ihnen die Zeit reif für einen Neuanfang? Jesus lädt uns ein, ihm zu begegnen, an das Evangelium zu glauben, am Reich Gottes teilzuhaben. Er macht uns Mut, die Weichen unseres Lebens neu zu stellen. Er möchte unser Lokführer sein – durchs ganze Leben hier bis zum Reiseziel in Gottes Ewigkeit.

Stefan Klautke
 

"Mit Gott hadern?"

"Mit Gott hadern? Das steht mir nicht zu. Entweder man ist eins mit Gott oder man ist es nicht." – Harry Valérien

Der heute 86-jährige Harry Valérien musste schon als Kind schwere Schicksalsschläge verkraften: 1938 stirbt seine Mutter bei einem Verkehrsunfall, ein Jahr später verliert er auch den Vater. 1943 schickt man ihn als Gebirgsjäger in den Krieg. "Wenn ich hier heil davonkomme," gelobt er, "will ich die Verbindung zu Gott nie mehr aufgeben.“ Als er 1945 nach amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrt, wendet sich sein Leben, und es geschieht, was er noch heute als Märchen bezeichnet: Er lernt seine spätere Frau kennen und sein beruflicher Erfolg als Sportreporter, Moderator, Talkmaster und Buchautor beginnt. 2007 stirbt dann jedoch seine jüngste Tochter mit 46 Jahren überraschend an Krebs. „Sie stand mir sehr, sehr nah. Alle Kinder sind etwas Besonderes, aber sie war etwas ganz Besonderes.“, erinnert sich Valérien. „Haben Sie nie gezweifelt, das nie als ungerecht empfunden?“ wurde er in einer TV-Talkshow gefragt. "Auch das Schwere gehöre zum Gepäck des Lebens, einem Leben, für das ich nach wie vor größte Dankbarkeit empfinde.“ war seine Antwort.

Jürgen Thiel
 

Gefüllte Zeit = erfüllte Zeit?

Der Kinderpsychologe Michael Winterhoff beschreibt in seinem dritten Band, dass er beobachtet, dass viele Menschen es nicht ertragen nichts zu machen.
Es gilt gesellschaftlich unchic, nach seinem Tagwerk die Beine hochzulegen und sich zu erholen. Stattdessen eilt man von Event zu Event, von Feier zu Fete, man meint immer erreichbar zu sein und rast von A nach B, teilweise unter Absehung der Verkehrsregeln, weil man meint, irgendetwas zu verpassen.
Doch gerade dadurch verpasst man viel: die Ruhe.
Dietrich Bonhoeffer nennt dies in einer Predigt, die er in Barcelona gehalten hat, die „Angst vor der Stille“.
Darin zitiert er Psalm 62,2: „Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft“, und fährt fort mit den Worten: „Wir haben Angst vor der Stille. Wir sind an Unruhe und Lärm so gewöhnt, dass es uns unheimlich vorkommt in der Stille. Wir fliehen der Stille. Wir jagen selbst von Ereignis zu Ereignis. Wir wollen nicht einen Augenblick uns selbst allein gegenüber stehen müssen....“. Hat Bonhoeffer mit seiner Beobachtung recht? Und wenn ja, was hindert uns daran, uns nicht wie die Masse zu verhalten, sondern für sich Momente des Atemholens zu nutzen, um sich selbst zu erden und wie der Psalmbeter in der Gegenwart Gottes eine Auszeit zu nehmen, um sich auf Gott auszurichten? Vielleicht können uns dazu die Angebote im "Jahr der Stille“ eine Hilfe sein.

Pfarrer Wolfgang Müller
 

Orientierung

Trotz modernster Elektronik wie Satellitennavigation und Radar haben Leuchttürme nach wie vor ihren Platz in der Schiffsnavigation. Sie stehen an gefährlichen oder wichtigen Stellen, wo sie der Schifffahrt auch nachts mit ihren Lichtsignalen den sicheren Weg weisen. Bei Störungen oder Ausfall der Elektronik können Sie die letzte Rettung sein.
Wie die Kapitäne auf den Schiffen benötigen auch wir einen "Wegweiser". Was dient Ihnen als Orientierung? Die Eltern, der Ehepartner, die Freunde, die Kollegen oder das Internet? Und die Bibel? Warum denn so ein altes Buch, werden Sie nun vielleicht fragen? Im modernen Informationszeitalter? Selbstverständlich! Und Sie müssen nicht einmal selbst in der Bibel lesen: Bei jedem Gottesdienst zitieren Pfarrer und Prädikanten Verse aus der Bibel und "übersetzen" diese in unsere heutige Zeit. Sie müssen einfach nur zuhören ... im nächsten Gottesdienst!

Jürgen Thiel
 

Total begeistert!

Wovon sind Sie begeistert?
Davon, dass der FC Bayern München häufig Titel um Titel gewinnt? Oder von den vielfältigen musikalischen Darbietungen voller Glanz und Glamour beim europäischen Schlagerwettbewerb Grand Prix? Oder vielleicht vom neusten Cabrio-Flitzer? Oder von der neusten Sommermode?
Vielleicht sind Sie auch einfach nur begeistert, wenn Sie Ihr Kind oder ihren Enkel heranwachsen sehen, oder von der aufblühenden Natur in Ihrem Garten. Es gibt vieles, was uns begeistern kann. Dinge, die uns persönlich wichtig oder die einfach nur schön sind.
Eine Begeisterung besonderer Art feiern wir an Pfingsten:
In Jerusalem saß die kleine verzagte Schar der Anhänger von Jesus versammelt und wusste nicht wie es weiter gehen sollte. Doch dann wurden sie vom Heiligen Geist erfüllt. Und plötzlich hatten sie neuen Mut. Frank und frei erzählten sie den Leuten von Gott. Fröhlich gingen sie hinaus und brachten das Evangelium von Jesus Christus mit Worten und Taten unter das Volk. Ihr Leben hatte nun eine ganz neuen Sinn. Neuen Mut und neue Perspektiven – das möchte Gott uns allen schenken. Dazu dürfen wir ihn jederzeit um seinen Geist bitten. Und wundern wir uns nicht, wenn auch wir uns dann plötzlich "total begeistert" fühlen!

Stefan Klautke
 

Christ sein im Straßenverkehr - wirklich unmöglich?

Das kennen Sie: Beim Gegenverkehr hat es wieder einmal einer sehr eilig. Er überholt und kommt Ihnen entgegen. Sie müssen „in die Eisen steigen“. Durch Ihr Bremsen haben Sie aber Schlimmeres verhindert!

Aber auch das kennen Sie: Vor Ihnen fährt ein „Schnarcher“. Sie haben es eilig. Sie fahren dem Vordermann schon recht nahe auf und bedrängen ihn fast, damit er schneller fährt.

Staus, Tempolimits, Ampeln und andere Verkehrsteilnehmer, die nicht mühelos zu überholen sind, lösen Ärger und Frust aus. Und dann kann schon eine Kleinigkeit zu einem völlig unkontrollierten Aggressionsausbruch führen.

Lesen Sie im Senfkorn Mai bis Juli 2010 ob "Christ sein im Straßenverkehr" wirklich unmöglich oder unzeitgemäß ist!

Jürgen Thiel
 

Halleluja!

Dieser Jubelschrei klingt immer noch in meinen Ohren nach, aus vollem Herzen gerufen von den Christen in Indien. Die dortigen Gemeinden versammeln sich abends in Hütten, in kleinen Häusern oder auch auf offener Straße. Die Gottesdienste werden per Lautsprecher live und direkt in die Umgebung übertragen. Und immer wieder tönt während dieser Versammlungen aus vielen Kehlen ein spontanes "Halleluja!"
Halleluja! - Das bedeutet: Preist den Herrn! Es ist die dankbare Reaktion auf eine frohe Kunde. Und gibt es eine bessere Nachricht als die Osterbotschaft? Der Herr ist auferstanden! Das Grab ist leer! Der Tod ist besiegt! Jesus lebt! Halleluja! - Auch Sie sind eingeladen in diesen Jubel mit einzustimmen. In unseren Gottesdiensten tun wir dies auch nach Ostern noch, denn jeder Sonntag ist schließlich ein Feiertag der Auferstehung Jesu Christi. Und vielleicht singen wir dann gemeinsam aus dem folgenden Lied:

Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, der uns erlöset vom ewigen Tod. Sünd' ist vergeben, Halleluja! Jesus bringt Leben, Halleluja! (EG 116)

Stefan Klautke
 

 

„Bleibt hier und wacht mit mir. Wachet und Betet!“

So bittet Jesus seine Jünger, als sie am Abend vor seinem Tod im Garten Gethsemane ankommen. Jesus will sich zurückziehen und beten. Er spürt, dass sein Leben zu Ende geht. Er ist voller Furcht und Zittern angesichts dessen, was ihn erwartet. In dieser Situation braucht er Gott – und er braucht die Gewissheit, dass seine Freunde in der Nähe sind an diesem Abend. Darum bittet er sie: Bleibt hier bei mir, bleibt wach und betet.

Ich verstehe diese Worte Jesu auch als eine Einladung an mich. Eine Einladung, die Karwoche, die Zeit von Palmsonntag an, wach und mit offenen Augen zu erleben. Eine Einladung, die Andachten und Gottesdienste in unserer Kirchengemeinde mitzufeiern. Die Gemeinschaft beim Abendmahl am Gründonnerstag, das Gedenken an Jesu Tod am Karfreitag und die Stille des Karsamstags mit allen Sinnen zu erleben. Eine Einladung, diese Zeit nicht einfach an mir vorbeirauschen zu lassen, sondern nachzudenken und vielleicht zu spüren, was es heißt, was wir als Christen bekennen: Jesus Christus - für mich gekreuzigt, gestorben und begraben.

Bleibt hier und wacht mit mir. Wachet und betet!

Carolin Knapp
 

 

NÄHER! - 7 Wochen ohne Scheu

Das Motto der 27. Fastenzeit klingt gar nicht mal so spektakulär. Scheu bzw. schüchtern sind doch eigentlich nur Kinder, d. h. auf uns Erwachsene trifft das doch gar nicht zu. Oder vielleicht doch?

Denken wir mal kurz darüber nach: Gibt es Situationen, in denen wir schüchtern oder zurückhaltend sind? Oder gibt es Menschen, bei denen wir kleinlaut werden? Natürlich! Jeden Tag kann uns so etwas begegnen! Wahrscheinlich merken wir das gar nicht mehr so, wir empfinden das als eine Art von Höflichkeit, wenn wir mit fremden Menschen anders sprechen, als mit bekannten. Deshalb könnten wir ja in den kommenden 7 Wochen versuchen, näher zu sein. Ein Lächeln kann beim Gegenüber Wunder bewirken, eine gute Tat lässt die Stimmung aufleben und man fühlt sich gut. Wir könnten auch etwas Neues ausprobieren, was uns vorher gar nicht in den Sinn gekommen wäre, wie z. B. etwas kochen, was man vorher noch nie gekocht hat, oder dorthin auszugehen, wo man noch nie war. Wir könnten also versuchen, uns mehr zu öffnen: Auf Menschen zugehen und sich ein eigenes Bild machen.

Aber nicht nur von Menschen ist die Rede: Wir sollten auch versuchen, mehr auf Gott einzugehen, uns ihm zu öffnen. Unser Leben ist hektisch geworden, da vergisst man schon mal den lieben Gott. Wie viele Menschen beten noch oder sind dankbar, für das was sie haben? Die Fastenzeit soll helfen, uns Gott bewusster und somit gegenwärtiger zu machen, indem wir auf etwas Verzichten oder etwas Hinzufügen. Denn schon Samuel konnte zu David sagen: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“ (1. Sam 16,7)

Die Kirchengemeinde Obrigheim wünscht euch allen eine gesegnete Fastenzeit!

Sandra Stadler
 

 

Hoffen – das tut jeder von uns ständig.

Hoffentlich fällt das Untersuchungsergebnis positiv aus.
Hoffentlich finde ich eine neue Arbeitsstelle.
Hoffentlich haben wir bald einen neuen Pfarrer…

Hoffen gehört fest zu unserem Leben dazu. Wer Hoffnung hat, der hat Kraft und Mut, zu handeln und zu leben, denn er hofft auf einen guten Ausgang. Habe ich keine Hoffnung mehr, dann fehlt mir der Grund, mich anzustrengen und nicht einfach aufzugeben. Hoffnung gibt mir ein Ziel vor Augen.
Gott hat uns mit seinem Sohn einen unerschütterlichen Grund zur Hoffnung geschenkt. Tod und Auferstehung Jesu zeigen uns: Gott macht Unmögliches möglich, es lohnt sich, auf ihn zu vertrauen. Es lohnt sich, zu hoffen und nicht aufzugeben. Er hält Wege und Ziele für uns bereit, er begleitet uns auch durch Zeiten, in denen das Hoffen schwer fällt.

Paulus schreibt im Römerbrief: „Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet!“ Als Christ habe ich einen guten Grund, die Hoffnung nicht aufzugeben, auch in schweren Zeiten nicht zu verzweifeln, sondern optimistisch, lebensfroh und mutig in die Zukunft zu schauen. Im Gebet, im Gottesdienst, bei Begegnungen in meiner Gemeinde kann ich die Kraft dazu finden, hoffnungsvoll zu leben und darauf zu vertrauen, dass Gott es gut mit mir meint.

Carolin Knapp
 

 

Jahreslosung 2010

Jesus Christus spricht:
Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich.
(Joh. 14,1)

Welch eine Herausforderung: „Euer Herz erschrecke nicht!“ steht als Jahreslosung über dem vor uns liegenden Jahr.

Das macht Mut, auch wenn wir vieles Bedrohliches vor Augen haben. Die Medien überfluten uns mit Katastrophenmeldungen. Doch Jesus sagt: „Euer Herz erschrecke nicht!“ Das heißt soviel wie: Geht mutig voran. Ich helfe Euch in allen Lebenslagen. Ich gebe Euch Halt. Ich gebe Euren Herzen Stärke.“
Der Glaube an Gott und der Glaube an Jesus Christus ist der tragende Grund für alles, was im Leben auf uns zukommt.
Jesus geht an unserer Seite mit. Er betet für uns und will unseren Glauben stärken. Und das an jedem neuen Tag.

Annelies Lukas
 

 

Weihnachten

Wir dürfen wieder Weihnachten feiern – ein Glück sicher nicht nur für Kinder. Was dieses Fest bewirkt, möchte uns dieses karibische Weihnachtslied nahe bringen:

Es ist Weihnachten, wenn alle bereit sind für das Fest. Weihnachten heißt: Mit der Hoffnung leben. Wenn sich die Menschen die Hände zur Versöhnung reichen, wenn der Fremde aufgenommen, wenn einer dem Anderen hilft, das Böse zu meiden und das Gute zu tun; dann ist Weihnachten. Jeder Tag ist Weihnachten auf der Erde! Jedes Mal, wenn einer dem Anderen Liebe schenkt, wenn Herzen zufrieden und glücklich sind. Dann steigt Gott wieder vom Himmel herab
und bringt das Licht.
Weihnachtslied aus Haiti

Gott ist vom Himmel herabgestiegen und zeigt sich in einem kleinen, hilflosen Baby. Warum? Damit wir ihm begegnen können! Damit wir Gott fast auf Augenhöhe entgegentreten dürfen! Gott ist nicht hoch oben in irgend einem weit entfernten Himmel! Er begegnet uns – in diesem Fest und mitten im Alltag. Das hat Konsequenzen für unser Leben. Wir können uns nicht einfach harmonische Festtage wünschen und dann so tun, als hätte das nichts mit unserem Alltag zu tun. Die Menschen, die um uns herum leben, sie sind Teil unseres Glücks! Wir können nicht unabhängig von ihnen feiern. Wenn Gott in Jesus Christus mit Weihnachten zu uns kommt, bringt er diesen Anspruch mit.
Weihnachten – Ein Kind ist geboren, Gott ist Mensch geworden, um bei uns zu sein. Die Freude darüber feiern wir; deshalb bringen wir Geschenke. Deshalb feiern wir gemeinsam in den Gottesdiensten – weil Weihnachten nicht nur uns selbst betrifft.
Weihnachten – Gottes Fest für uns! Genießen Sie es und feiern Sie es gemeinsam; geben Sie etwas von Ihrer Freude weiter – dann feiern Sie Weihnachten richtig!

Gesegnete Festtage wünscht Ihnen Ihr
Vakanzverwalter Pfarrer Christian Ihrig
 

 

Haben Sie auch einen Adventskalender?

Einen Adventskalender mit Türchen. Gekauft oder selbstgebastelt. Einfach nur mit Schokolade drin oder vielleicht mit kleinen persönlichen Überraschungen – gestaltet und ausgesucht von lieben Verwandten oder guten Freunden!? Sowohl für Kinder, aber auch für Erwachsene ist so ein Adventskalender eine spannende Sache. Jeden Tag in der Adventszeit öffnet man erwartungsvoll ein Türchen. Was sich wohl heute dahinter verbirgt!?
Im Advent, der Vorbereitungszeit auf Weihnachten, geht es eigentlich darum, auf Jesus Christus „gespannt zu sein“, sein Kommen in diese Welt zu erwarten und ihm die Türen zu öffnen. Ganz im Sinne des bekannten Adventsliedes: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit“. Doch es ist nicht irgend eine Tür, die da auf gehen soll. Es ist die Tür zu unserem Herzen, in das Jesus Christus einziehen will. Vielleicht erinnern Sie sich daran, wenn Sie morgen wieder das nächste Türchen in Ihrem Adventskalender öffnen.

Eine – in diesem Sinne – erwartungsvolle und gesegnete Adventszeit wünscht Ihnen

Marco Friedrich
 

Hoffnung auf ein Wiedersehen!

22. November 2009 – der diesjährige Totensonntag. Wir gedenken der Menschen, die aus diesem Leben verschieden sind. Unserer Lieben, die von uns gegangen sind. Die wir schmerzlich loslassen mussten. Wir trauern um sie. Auch die tragischen Ereignisse um Robert Enke haben uns das Unheil des Todes gerade erst wieder neu ins Bewusstsein gerufen.
Derselbe Tag heißt in unserer Kirche aber auch der Ewigkeitssonntag. Seit der Auferstehung von Jesus Christus hat der Tod nicht mehr das letzte Wort. Es gibt eine gut begründete Hoffnung, dass wir alle, die wir verloren haben, einmal wieder sehen werden. Zusammen mit Jesus Christus bei Gott in der Ewigkeit. Alle unsere Trauer wird dann in Freude verwandelt werden.

Stefan Klautke
 

 Demut?!

Wie Sie sicher aus der Presse wissen, wird der amerikanische Präsident Obama den Friedensnobelpreis 2009 erhalten. In einem Statement zeigte er sich sehr überrascht über diese Auszeichnung, die er "zutiefst demütig" entgegennehme.

Bei "Demut" denken Sie vielleicht spontan an Gehorsamkeit oder Ergebenheit, aber das kann er wohl nicht gemeint haben. Auch im folgenden Teil einer Liedstrophe aus dem evangelischen Gesangbuch finden Sie „Demut“: „Ein Herz, das Demut liebet, bei Gott am höchsten steht; ein Herz, das Hochmut übet, mit Angst zugrunde geht.“ (EG 10,3).

Also muss es wohl etwas Positives sein. Was dürfen Sie nun unter Demut verstehen? Der demütige Christ strebt danach, Gott zu dienen. Er möchte, dass Gottes Wille geschieht und genau dadurch wird er zum Werkzeug Gottes um Gutes zu vollbringen. Dafür sind wir doch gerne „demütig“.

Jürgen Thiel
 

Heute schon gedankt?

Unseren Kindern bringen wir es frühzeitig bei. Wenn sie etwas geschenkt bekommen und begeistert große Augen kriegen, kommt sogleich die Frage: „Wie sagt man?“ - So lernt das Kind, artig danke zu sagen. So kennen wir es selbst aus unserer Kinderzeit.

Und heute, wo wir groß sind? Da ist es ganz selbstverständlich für uns geworden, dass wir uns bei den Menschen bedanken, die uns etwas Gutes tun. Und wir freuen uns, wenn andere sich bei uns bedanken.
So freut sich auch Gott, wenn wir uns bei ihm bedanken für all das Gute, das er uns schenkt. Und wie vieles gibt es da, für das wir ihm danken können: Unser Leben, unsere Gesundheit, unsere Familie und Freunde, unsere Gaben und Möglichkeiten, dass wir in Freiheit und Frieden leben können ...

Stefan Klautke
 

Schatzsucher

Haben Sie ihn schon gefunden… Ihren Schatz? Oder sind Sie noch auf der Suche. Wo suchen Sie ihn, Ihren Schatz? Und richten Sie all Ihre Energie darauf, diesen Schatz zu finden?

Der Monatsspruch September gibt uns einen Hinweis, worauf wir bei unserer Schatzsuche achten sollten. Denn „Wo euer Schatz ist – da wird auch euer Herz sein.“ (Lukas 12,34)

Und im Vers zuvor lesen wir „macht euch Geldbeutel, die nicht veralten, einen Schatz, der niemals abnimmt, im Himmel, wo kein Dieb hinkommt und den keine Motten fressen.“
Ja, der eigentliche Schatz – Gott selbst – will uns mit Leben versorgen, über all unser äußerliches und notwendiges Geldverdienen und Wirken hinaus.

Er möchte Gott sein für uns und in uns. Gott sehnt sich danach, dass wir ihn als Schatz entdecken und uns an ihm und in ihm freuen.


Annelies Lukas
 

Vertrauen

Scheinbar schwebt die Gondel der Seilbahn in der Luft. Ist es nicht ein dünnes Seil, das Sie trägt? Ist es dennoch ausreichend? Wird es regelmäßig geprüft?
Wir müssen uns täglich auf Technik verlassen und darauf vertrauen, dass diese Technik gewissenhaft überwacht und geprüft wird. Wir wissen ja, weder die Technik noch die Menschen sind fehlerfrei.

Jemandem vertrauen bedeutet, sich auf Ihn zu verlassen, auf Ihn zu bauen, auf Ihn zählen zu können.

Geben Sie anderen Menschen Gewissheit und Zuversicht. Seien Sie vertrauenswürdig!

Jürgen Thiel
 

Es gibt ein Mehr

Angekommen!

Endlich den Gipfel erreicht! Vergessen sind die Strapazen, die der Weg nach oben mit sich brachte...
Und dann: Staunen, nur noch Staunen... Die schöne Aussicht, der Blick ins weite Land... Ein herrlicher Moment. Man kann so richtig ins Schwärmen kommen. Oder ins Nachdenken. Und da fällt der Blick dann auch auf das Gipfelkreuz. Ein nachdenklicher Blick. Was sucht das Kreuz da oben auf dem Berg? Hoch oben auf dem Gipfel? Vielleicht will es uns erinnern, in diesem großen Moment der Freude, dass es ein Mehr gibt. Dass das Leben mehr ist als nur Arbeit und Urlaub und wieder Arbeit. Und dass da noch etwas kommt, nach diesem Leben...

Ich wünsche Ihnen gute Gedanken!

Pfarrer Gunnar Kuderer
 

Jeder Mensch braucht mehr Liebe, als er verdient. (Jörg Splett )

Ein erstaunlicher Satz, nicht wahr?
Häufig beobachte ich, wie Kinder mit ihren Eltern nörgeln, wie sie Ansprüche stellen – und gar nicht merken, mit wie viel Liebe sie von ihren Eltern umsorgt werden. Das Selbstverständliche wird am schnellsten vergessen. Ich kann mich an meine Kindheit gut erinnern, dass es genauso war. Meine Mutter hat sich nie gefreut, wenn wir Kinder ihr etwas zum Muttertag schenkten; sie meinte immer, lieber öfter mal ein kleines Dankeschön zwischendurch.

Und wie geht es uns heute als Erwachsene?
Gott weiß, wie sehr wir der Liebe bedürfen...

Pfarrer Gunnar Kuderer 
 

Der Glaube versetzt Berge, der Zweifel erklettert sie. (Karl Heinrich Waggerl)

Haben Sie schon einmal Berge versetzen können?

Ich nicht. So stark kann Glaube gar nicht sein – eine Portion Zweifel mischt sich immer hinein. Aber so bleibt Glaube auch das, was er ist: ein Vertrauen, ein behutsames Schritt-vor-Schritt-setzen, ein Geworfensein auf Ihn.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten Berge versetzen – würden Sie dann nicht schnell die Bodenhaftung verlieren, irgendwann den Bezug zu Gott aufgeben, irgendwann meinen, Sie wären mächtig ohne alle Hilfe? Sie würden einen zweiten Turm von Babel bauen!

Also doch lieber glauben und vertrauen – unsicher, ob es wirklich stimmt – beten und hoffen – zagen und Mut haben – und am Ende schaffen wir den Berg doch. Mit Gottes Hilfe.

Pfarrer Gunnar Kuderer 
 

Ein Nest voller Eier

Bunt bemalte Ostereier. Jedes einzelne von Hand liebevoll verziert. Ein schöner Anblick. Ein schöner Brauch. Wissen Sie, woher er kommt?
In der Fastenzeit wurde früher kein Fleisch gegessen – auch keine Eier. Damit sie nicht verdarben, hat man sie gekocht und dann angemalt: jede Woche hatte eine andere Farbe. So wusste man an Ostern, welche Eier die ältesten waren und als erste gegessen werden sollten.
Sieben Wochen lang freute man sich auf das Osterfest – und die Freude wurde immer sichtbarer, je größer und bunter der Haufen an Ostereiern wurde. Osterfreude zum Sehen, zum Fassen.
Erzählen sie uns auch heute noch die wichtigste Geschichte der Menschheit?

„Christ ist erstanden!“

Pfarrer Gunnar Kuderer 
 

Gedanken zur Passionszeit

Eine Legende aus dem Mittelalter berichtet, wie Gott einmal Erbarmen hatte mit einem Menschen, der sich über sein zu schweres Kreuz beklagte. Er führte ihn in einen Raum, wo alle Kreuze der Menschen aufgestellt waren, und sagte ihm: „Wähle!“ Der Mensch machte sich auf die Suche. Da sah er ein ganz dünnes, aber dafür war es länger und größer. Er sah ein ganz kleines, aber als er es aufheben wollte, war es schwer wie Blei. Dann sah er eins, das gefiel ihm, und er legte es auf seine Schultern. Doch da merkte er, wie das Kreuz gerade an der Stelle, wo es auf der Schulter auflag, eine scharfe Spitze hatte, die ihm wie ein Dorn ins Fleisch drang. So hatte jedes Kreuz etwas Unangenehmes. Und als er alle Kreuze durchgesehen hatte, hatte er immer noch nichts Passendes gefunden. Dann entdeckte er eins, das hatte er übersehen, so versteckt stand es. Das war nicht zu schwer, nicht zu leicht, so richtig handlich, wie geschaffen für ihn. Dieses Kreuz wollte er in Zukunft tragen. Aber als er näher hinschaute, da merkte er, dass es sein Kreuz war, das er bisher getragen hatte.

Pfarrer Gunnar Kuderer 
 



 

Ein Hauch von Frühling

Schneeglöckchen sind meine Lieblingsblumen. Zaghaft stecken sie als erste ihre Köpfchen durch den vom Winter grau gewordenen Boden. Zaghaft – und doch beharrlich: denn weder der Graupelschauer Anfang der Woche noch Wind und Regen können sie davon abhalten, zu blühen. Zu blühen und Bote zu sein: die ersten Boten des Frühlings!

Für mich sind sie auch ein Zeichen der Hoffnung. Viele Menschen, gerade auch ältere, freuen sich jedes Jahr mehr auf den Frühling, sehnen sich der Wärme und dem Sonnenlicht entgegen, fast schon so, als wären die Wochen und Monate zuvor nur Plage und Dunkel. Wie es im echten Leben ja genug Zeiten gibt, die uns wirklich schwer werden, Zeiten voll Kummer und Nöten oder Sorgen.

Ich sage mir dann immer: es werden auch wieder bessere Zeiten kommen. So sicher wie jedes Jahr neu die Schneeglöckchen ihre Köpfe aus der Erde strecken und der Frühling dann wirklich kommt. Das schenkt mir Hoffnung!

Pfarrer Gunnar Kuderer 
 

7 Wochen ohne Zaudern

Kennen Sie das auch? Sie schieben eine unangenehme Entscheidung auf die lange Bank... Können einfach nicht wählen... Oder haben Angst vor dem einen wichtigen Anruf... Wenn sich doch alles von selbst erledigen würde...

Tut es aber nicht! Wie wäre es, wenn Sie die Fastenzeit nutzen würden, Ihr Zaudern zu vergessen und einmal klare Entscheidungen zu treffen?

„Wie?“, fragen Sie überrascht, „Wie soll das gehen? Heißt Fastenzeit nicht Verzicht? Sieben Wochen lang auf Alkohol verzichten, auf die Zigarette oder das geliebte süße Teilchen während der Mittagspause?

Den Inhalt der Fastenzeit bestimmen Sie selbst! Denn Sinn der Fastenzeit ist es, dass Sie Freiheit gewinnen – Freiheit von allen Dingen. Vielleicht auch Freiheit von der Unentschlossenheit?

Probieren Sie's einfach mal aus!

Pfarrer Gunnar Kuderer 
 

Weise ist nicht, wer viele Erfahrungen macht, sondern wer aus wenigen lernt,
 viele nicht machen zu müssen.
(
Karlheinz Deschner)

Als Jugendlicher wollte ich so viele Erfahrungen wie möglich machen. Nicht auf den Rat von Erwachsenen hören. Manchmal, so habe ich im Nachhinein den Eindruck, wollte ich mit dem Kopf durch die Wand. Das hat zumindest meine Mutter immer behauptet.

Heute spüre ich, dass die Jahre, die wir an Erfahrungen sammeln, uns weiser werden lassen. Vieles, was wir in jungen Jahren nicht geschätzt oder verlacht haben, ist heute wichtig geworden.

Heute bin ich froh, dass ich nicht mehr jede Erfahrung selber machen muss. Aber ich lächle gelassen über die Energie junger Menschen, über ihren Willen, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, jede Erfahrung selber machen zu wollen.

Das Leben wiederholt sich irgendwie... Gut, wenn wir nie vergessen, wie wir einmal selbst gewesen sind als junger Mensch!

Pfarrer Gunnar Kuderer 
 



 

Das Leben ist wie ein Buch

Das ist ein schönes Bild für unser Leben. Irgendwann wird ein neues Buch aufgeschlagen und mit den ersten Worten, die hineingeschrieben werden, wächst das Leben. Und Kapitel um Kapitel wird diesem Buch hinzugefügt – und Jahr um Jahr wird dies Buch dicker. Jean Paul, ein Schriftsteller, sagte einmal: „Das Leben gleicht einem Buche: Toren durchblättern es flüchtig, der Weise liest es mit Bedacht, weil er weiß, dass er es nur einmal lesen kann.“

Es gibt die Vorstellung, dass alle unsere Namen in einem großen Buch eingetragen sind: in das Lebensbuch, das Gott selbst führt. Einmal heißt es in der Bibel sogar, Gott hat alle unsere Namen in seine Hand geschrieben: so wertvoll, so wichtig sind wir ihm, dass er unsere Namen immer mit sich trägt.

Lesen Sie Ihr Lebensbuch mit Bedacht!

Pfarrer Gunnar Kuderer 
 

Das große Aufräumen hat begonnen!

Weihnachten verschwindet wieder in den Pappkartons. Die Krippe wird eingepackt, die Adventskränze werden entsorgt, die Lichterketten kommen in den Schrank zurück...

Und dann, wenn nichts mehr in meiner Wohnung an Weihnachten erinnert, dann merke ich, wie auch dieses Jahr das Weihnachtsfest erschreckend spurlos an uns vorübergezogen ist. In Israel steht die Gewalt seit Tagen wieder an erster Stelle. Russland dreht den Gashahn zu – wie viele Menschen werden darunter zu leiden haben, nicht mehr heizen oder kochen können? Natürlich gibt es auch in allen anderen Wochen und Monaten des Jahres genug schlechte Nachrichten zu lesen: aber jedes Jahr größer fällt mir der Gegensatz zwischen der friedlichen Botschaft, die von Weihnachten ausgeht, und der unfriedlichen Welt auf!

Weihnachten sollte nicht in den Pappkartons verschwinden, sondern in unsere Herzen einziehen! Und dort das ganze Jahr über bleiben! Wäre das nicht einmal einen Versuch wert: über das ganze Jahr hinweg als erstes friedliche Gedanken zu haben? Bei so viel Zeit müsste doch das eine oder andere böse Wort verstummen, der eine oder andere schlimme Gedanke vergessen sein – und vielleicht sogar eine Versöhnung geschehen können... Wir könnten es doch einfach mal versuchen...

Pfarrer Gunnar Kuderer 
 

Ein Hauch von Liebe

Jedes Jahr neu freuen wir uns auf Weihnachten. Manchmal ist es so, als freuten wir uns gegen alle Realität – Freude inmitten einer Welt von Sorgen und Problemen, von Nöten und Kummer. Düstere Aussichten, was die Wirtschaft angeht; immer wieder schlechte Nachrichten unser Klima betreffend; in der eigenen Familie das eine oder andere Problem...

Welches Zeichen setzt da Weihnachten dagegen? Es ist Gottes Botschaft an die Welt, dass sie geliebt ist: geliebt trotz all ihrer Schwächen und ihrer dunklen Seiten! Gott schenkt der Welt sein Kind, um ein Zeichen der Liebe zu setzen.

Für uns ein Zeichen der Hoffnung: Geduld und Liebe haben die Kraft in sich, auch die dunklen Seiten hinter sich zu lassen.

Darum freue ich mich jedes Jahr neu auf Weihnachten: ich freue mich, wieder neu angesteckt zu werden von der Hoffnung!

Pfarrer Gunnar Kuderer 
 



 

Ein seltsamer Traum im Advent

Neulich erzählte uns eine Frau folgenden Traum:

„Ich träumte davon, dass ich ganz viele schöne Geschenke bekam. Eines prächtiger eingepackt als das andere. Doch als ich sie zu öffnen begann, staunte ich, nein wunderte ich mich: jedes war leer.“

Die Frau rätselte, welche Botschaft ihr dieser Traum vermitteln wollte. Sie kam selbst auf eine Antwort: So viel war sie auch in den vergangenen Jahren immer in der Adventszeit unterwegs, besuchte hier und dort alte und kranke Menschen, wollte allen eine kleine Freude bereiten, backte und kochte, hetzte durch die Geschäfte auf der Suche nach Geschenken, tat noch dies und jenes – und fand am Ende keine Zeit mehr für die eigene Besinnung!

Ob sie ihren Traum richtig gedeutet hat?

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich jeden Tag ein bisschen Zeit für sich selbst nehmen können in dieser wunderbaren Advents- und Wartezeit. Zeit für sich – und für den, auf dessen Ankunft wir warten.

Pfarrer Gunnar Kuderer 
 



 

Wenn das einzige Gebet, das du in deinem ganzen Leben sagst, ist:
„Ich danke dir!“ das würde genügen.
(Meister Eckhart)

Der November ist ein trüber Monat. Die Feiertage sind nicht gerade die fröhlichen: Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Ewigkeitssonntag... Tage zum Gedenken und zum Nachdenken.

Aber vielleicht ist gerade in dieser trüben Jahreszeit Gelegenheit, über all das Schöne nachzudenken: der Winter, der vor uns liegt und manchem Freude am Skisport vermittelt; der Frühling, der ganz sicher wieder kommen wird; die Krankheit, die ich überstanden habe; das fröhliche Kinderlachen, das sich auch von einem regnerischen Tag nicht vermiesen lässt...

Ja, in der Tat: Gelegenheit genug, Danke zu sagen!

Pfarrer Gunnar Kuderer 
 



 

Fluctuat Nec Mergitur

Kennen Sie das auch? Probleme drohen über den Kopf zu wachsen... Da will plötzlich jeder etwas von Ihnen, jeder zerrt an ihnen, der eine schimpft, der andere tadelt, der andere fordert. Und ich? Steh mitten drin, hilflos, fühle mich überfordert...

Mir fällt das Stadtwappen von Paris ein. Ein Schiff, von Wellen geschüttelt. Dazu die eindrücklichen lateinischen Worte: „Fluctuat nec mergitur.“ Auf gut Deutsch: „Von den Wellen geschüttelt, wird das Schiff trotzdem nicht untergehn.“ Aha! Ein stolzes Selbstbewusstsein der Menschen aus Paris! Egal, welche Schwierigkeiten auf die Stadt zukommen: man wird sie schon meistern!

Und ich? Ein anderes Schiff auf den Wellen fällt mir ein. Jesus schläft im Boot, der Sturm kommt, die ängstlichen Jünger wecken ihn. Jesus versteht das nicht: Da ist er doch bei seinen Freunden – und sie haben trotzdem Angst?!

Das will ich mir zu Herzen nehmen. Jesus sitzt mit in meinem Boot, kriegt sie alle mit, die Probleme, die Stürme, ist mitten drin – warum sollte ich also Angst haben oder mich überfordert fühlen?

Ich wünsche Ihnen dieses Gefühl der Geborgenheit!

Pfarrer Gunnar Kuderer 
 

Die Blätter fallen ...

Langsam färben sich die Bäume herbstlich – und immer mehr Blätter sinken zu Boden. Zeichen für den Verfall? Für die Endlichkeit? Dass alles einmal zu Ende geht?

Gut, so kann man es sehen, wenn man will... Aber andererseits: Jetzt erst blühen meine späten Sonnenblumen im Garten. Gestern fand ich eine Herbstzeitlose im Feld. Die Äpfel sind reif und werden eingesammelt, um neuen Saft daraus zu machen oder Most. Überhaupt: Sieht das nicht toll aus, wenn die Wälder jetzt so schön bunt anzusehen sind, im späten Abendlicht fast zu glühen scheinen?

Wie schön, dass jede Jahreszeit ihr Gutes hat – auch der Herbst. Wie gut, dass Gott alles so wunderbar geordnet hat!

Pfarrer Gunnar Kuderer
 

Die Zeit im Fluge

Wie schnell vergeht doch die Zeit! Schon ist wieder Sommer und der Urlaub steht vor der Tür – oder ist er für Sie gar schon vorbei? Dann heißt es: zurück in den Alltag mit all seinen hektischen Geschäften. Alles muss schnell gehen, alles muss unter einen Hut passen, noch ein Termin diese Woche – und wann holen wir das Grillfest nach, das ins Wasser fiel?

Stopp! Wir sollten wieder den langsamen Fluss der Zeit lernen! Jedem Ding seine Zeit lassen. Nicht versuchen, die Zeit bis zum letzten auszuquetschen.

Jetzt in diesen letzten Sommerwochen wäre nochmal Gelegenheit dazu: einfach mal die Seele baumeln lassen. Mal aufs Fahrrad umsteigen, genießen, wie herrlich langsam die Strecke zwischen zwei Orten sein kann. Selbst der liebe Gott ließ es am letzten Schöpfungstag etwas ruhiger angehen...

Ich wünsche Ihnen eine Verlangsamung Ihrer Zeit!

Pfarrer Gunnar Kuderer
 

Sommerzeit

Ein wogendes Sonnenblumenfeld – was für ein herrlicher Anblick! Vielleicht gefällt das Foto, weil es uns an Sommer und an Urlaub erinnert: eine der schönsten Zeiten im Jahr. Vielleicht, weil es uns an die Sonne erinnert – denn wie anders leben wir, wenn es warm ist und hell und man abends draußen sitzen kann!

Viele Lieder im Gesangbuch erzählen von der Sonne: „die güldne Sonne“ oder „Sonne der Gerechtigkeit“ - und verbinden mit der Bewunderung das Staunen: wie herrlich hat Gott doch alles gemacht!

Daran könnte man im Urlaub doch auch mal wieder denken – wie herrlich hat Gott alles gemacht!

Pfarrer Gunnar Kuderer
 

Die schönste Nebensache der Welt

Fußball sei die schönste Nebensache der Welt, heißt es.

Mit zehntausend anderen friedlichen und fröhlichen Fans stehe ich auf dem Basler Münsterplatz und feuere die deutsche Mannschaft an. Die Stimmung ist hervorragend. Die Menschen sind ausgelassen und in Feierstimmung. Die gute Laune steckt an. Wirklich: es ist etwas dran an dem Wort: Fußball ist die schönste Nebensache der Welt.

Denn das ist die richtige Einordnung: es ist nur eine Nebensache. Die wirklich wichtigen Dinge im Leben sind andere. Meinen Sie nicht auch?

Pfarrer Gunnar Kuderer
 

Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten. (Katharina von Siena)

Mir kommt ein Halbmarathonlauf in den Sinn: natürlich ist der Start aufregend, das Warten auf den Startschuss, der Moment, wenn die Läufer vor einem sich langsam in Bewegung setzen, immer schneller werden... Und doch ist es wahr: der Augenblick, an dem ich durchs Ziel laufe, ist der eigentlich erhebende: der Stolz, durchgehalten zu haben, die Freude, es bis ins Ziel geschafft zu haben!

Und ist es im Leben nicht genauso? Viele neue Anfänge sind aufregend, bisweilen machen sie Bange? Doch die wirkliche Leistung besteht im Durchhalten! Das mag manchmal ganz schön schwer werden? Wenn ich nur daran denke, wie viel Kraft und Energie es kostet, ein Kind groß zu ziehen, wie viel Freude und auch Kummer und Sorge. Und dann eines Tages: die Freude, dass doch etwas aus dem Kind geworden ist!

Ja: das Durchhalten wird belohnt!

Pfarrer Gunnar Kuderer
 

Dankbarkeit

Jedes Jahr mehr freue ich mich daran, wie das Leben neu erwacht: wie die Bäume wieder knospen, Blüten treiben, wie die ersten Blumen ihre Köpfe aus den Wiesen recken. Früher habe ich dieses Gefühl nicht so stark gehabt. Woran mag es wohl liegen?

Im Laufe des Lebens verschieben sich die Wichtigkeiten. Was früher unbedeutend war, gewinnt an Gewicht – und was mir früher wichtig gewesen ist, verliert an Bedeutung. Vielleicht liegt es daran, dass wir im Leben durch eine harte Schule gehen und einiges an Erfahrungen sammeln: neben den schönen auch viele schmerzliche: Enttäuschungen, Niederlagen, Krankheiten, das Altern des Körpers, weniger Kräfte. Und da gewinnen Nebensächlichkeiten plötzlich mehr Bedeutung: da wächst Verständnis dafür, dass das, was uns immer so selbstverständlich gewesen ist, eben gar nicht so selbstverständlich ist!

Und so wächst auch ein Gefühl der Dankbarkeit: über die Schönheit der Natur, über die vielen kleinen schönen Dinge des Alltags, über Bewahrung – oder wie es ein Psalmbeter so schön sagt: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“

Pfarrer Gunnar Kuderer 
 

In einem Meer von Flammen

Das Pfingstfest führt ein Schattendasein unter den kirchlichen Feiertagen: Kaum einer kann noch erklären, was an Pfingsten gefeiert wird.
Auf dem Bild sehen wir in der Mitte Maria und die Jünger Jesu inmitten eines Flammenmeeres! Was war geschehen?
Die Bibel erzählt: Maria hatte sich nach Tod und Auferstehung ihres Sohnes mit dessen Freunden in Jerusalem getroffen. Plötzlich war ein gewaltiges Rauschen zu hören: Gottes Geist kam wie Feuerzungen auf die Versammelten herab...
Wie sollen wir uns das vorstellen? Feuerregen vom Himmel?!
Ich stelle es mir so vor: Gottes Kraft kam über die Freunde von Jesus. Plötzlich legten sie alle ihre Mutlosigkeit und ihre Verzweiflung ab. Plötzlich hatten sie es nicht mehr nötig, sich vor den Menschen zu verstecken, sich aus Angst in dunkle Räume zu verkriechen. Sie traten hinaus ins Freie und erzählten den Menschen, was sie mit Jesus erlebt hatten. Sie steckten an mit ihrer Begeisterung. Das Feuer sprang über...
Und wir? Kennen Sie das: geistesgegenwärtig machen Sie das Richtige... Vielleicht ist sie dann ja wieder da: Gottes Kraft, die uns hilft. Die uns handeln lässt... Feuer, das ansteckt...

Pfarrer Gunnar Kuderer 
 

Ein guter Freund

In diesen Wochen werden bei uns 26 Mädchen und Jungen konfirmiert. Nachträglich sagen sie: „Ja, ich finde es gut, dass ich getauft worden bin! Ich will dabei bleiben!“

Im Konfirmations-Gottesdienst sage ich immer zu den Eltern und den Paten: „Nehmt die jungen Menschen ernst! Unterstützt sie! Hört auf ihre Anliegen!“ Mit anderen Worten: „Begleitet sie weiter als gute Freunde – denn sie brauchen uns auch weiter!“

Dass ich in dieser Bitte gar nicht so falsch liege, habe ich gemerkt, als mein Patenkind Joshua zu Ostern zu Besuch war. Er wird am 18. Mai in Riehen in der Schweiz konfirmiert. Er sagt zu mir: „Wenn ich konfirmiert werde, bist du ja nicht mehr mein Pate...“ Ich antworte: „Ja, das stimmt.“ Er überlegt kurz und sagt dann: „Aber wir bleiben doch gute Freunde?“

Gut, dass ein Freund auf jeden Fall an ihrer Seite bleibt: der gütige Vater im Himmel!

 

Das Lächeln der Hoffnung

Jesus trägt ein Kreuz. Fast scheint es, als hätte er ein Lächeln auf den Lippen. Ob er ahnt, was geschehen wird? Ob er weiß, dass nach dem Tod Neues kommt – neues Leben? So scheint es: wie sonst sollte er mit einem stillen Lächeln dem Tod entgegen sehen?

Auch das erste, frische Grün im Hintergrund drückt diese Freude aus! Es überstrahlt kräftig das eintönige Grau der Steinfigur. Das helle Grün, Zeichen der wiedererwachenden Natur, vertreibt das graue Einerlei des Todes.

Jedes Jahr neu feiern wir Ostern – fast zeitgleich mit dem Frühlingsanfang. Kann es ein schöneres Zeichen des Lebens geben?

Pfarrer Gunnar Kuderer 
 

Freiheit durch Verzicht?

Mit dem Aschermittwoch hat die traditionelle Fastenzeit begonnen. Fasten bedeutet Verzicht. Wir verzichten nicht gern. Verzicht – ist das nicht ein Zeichen von Mangel, von etwas nicht haben können, einen Wunsch nicht erfüllt bekommen?

Die evangelische Kirche lädt zu einem besonderen, weil bewussten Verzichten ein: „7 Wochen ohne“. Wer möchte, kann sieben Wochen vor Ostern auf etwas verzichten, was ihm oder ihr zur lieben Angewohnheit geworden ist. Vielleicht sieben Wochen keinen Kaffee mehr trinken oder sieben Wochen darauf verzichten, jeden kleinen Gang mit dem Auto zu erledigen oder sieben Wochen abends nicht vor dem Fernsehen verbringen. Und was soll das bringen?

Eben Freiheit! Das Gefühl der Freiheit, dass ich eben keinen Kaffee brauche, nicht davon abhängig geworden bin; dass ich nicht das Fernsehen brauche, um meinen Abend zu gestalten, sondern frei genug bin, meinen Abend anders und erfüllend zu verbringen.

Und vielleicht entdecke ich ein wenig mehr Zeit für Freunde und Familie – vielleicht auch Zeit, um über mich selbst nachzudenken – vielleicht sogar Zeit für Gott ...

Pfarrer Gunnar Kuderer

 
 

 

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